Ich schleiche um das Haus herum zurück zum offenen Fenster. Die Küche ist noch immer leer. Schnell ziehe ich mich die Fensterbank hinauf, schwinge meine Beine über die daran angrenzende Arbeitsplatte und lasse mich hinabgleiten, bis meine Füße den Boden berühren. Angespannt spitze ich die Ohren.
Obwohl ich kaum ein Geräusch verursacht habe, ist es plötzlich ganz still im Haus. Zu still. Mein inneres Alarmsignal springt an und mein Körper schaltet sofort auf die alten Instinkte um – meine Sinne sind plötzlich hellwach, meine Muskeln zum Einsatz bereit. Ich husche zur Küchentür und linse durch den Spalt. Das Wohnzimmer dahinter ist bis auf die Möbel leer. Ich drücke die Tür ein klein wenig weiter auf, sichere schnell mit der Waffe im Anschlag den Platz dahinter sowie die Dachstiege. Dann erst betrete ich das Zimmer.
Noch immer ist alles ruhig, aber ich spüre, dass da jemand ist. Ganz in meiner Nähe. Vorsichtig nähere ich mich der Badezimmertür. In diesem Moment knallt es irgendwo hinter mir. Ich fahre herum, realisiere, dass lediglich das Küchenfenster im Luftzug zugeschlagen ist, gleichzeitig wird mir klar, dass ich mich nicht hätte umdrehen sollen, aber es ist zu spät: Hinter mir bewegt sich etwas – und ein fürchterlicher Schlag trifft meinen Kopf. Gleißend heller Schmerz jagt mir durch den Körper, vor meinen Augen explodieren Farben.
»Mistkerle!«, keuche ich, während ich halb blind herumfahre und abrupt innehalte, denn ich habe eine Handvoll Halbstarker erwartet, aber vor mir steht eine Frau.
Eine ziemlich auffällige noch dazu. Ich blinzele, doch das Bild bleibt gleich. Sie ist zierlich und vollkommen in Schwarz gekleidet. Hat pinkfarbene Strähnen im sonst ebenfalls schwarzen Haar. Die Lippen und die Augen sind viel zu dunkel geschminkt und ich erkenne nackte Angst darin. Das ist kein klassischer Einbrecher.
Überrascht lasse ich die Waffe sinken. Ein großer Fehler. Plötzlich bleibt mir die Luft weg und meine Welt besteht nur noch aus Schmerz.
Sie hat ihr Knie hochgerissen und es mir mit Wucht in die Weichteile gerammt.
Erscheint am 18. Februar 2020





